Social Media in Vorarlberg kommt in Bewegung

8. Juli 2013
gschtochabock

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 3,2 Millionen Österreicher sind auf Facebook aktiv, knapp 100.000 Personen, vor allem Kreativ- und Medienschaffende, vertrauen auf Twitter – und das Gros hält Wikipedia längst nicht mehr für ein kriegerisches Volk aus dem Norden. Das alles gilt natürlich auch für Vorarlberg. Und doch tickt das Ländle irgendwie anders. Zögerlicher. Mit viel Respekt vor den neuen Medien. Das ist nicht zwingend schlecht – birgt aber doch die Gefahr, spannende und vor allem vorteilhafte Entwicklungen zu verschlafen sowie Potenziale und Chancen ungenutzt zu lassen. Und das, obwohl es wunderbare Best-Practice-Beispiele gibt. Auch hierzulande.

Wolford etwa. Eine der wenigen verbliebenen Textil-Größen Vorarlbergs präsentiert sich auf den digitalen Kanälen professionell und durchdacht. Die eigene Facebook-Seite – im Übrigen internationalisiert – zählt knapp mehr als 20.000 Fans, wird ständig up-to-date gehalten, neue Produkte werden am laufenden Band präsentiert. Und die Bregenzer verstehen sich darüber hinaus gut darin, ihre Community einzubinden. Ergänzt wird der Maßnahmen-Mix mit Twitter und YouTube. Und mittlerweile wird auch Pinterest als neue Plattform entdeckt. Ein vernünftiger Schritt – sind doch knapp 80 Prozent der Mitglieder auf der Foto-Sharing-Plattform weiblich. Die Verbreitung im deutschsprachigen Raum ist zwar (noch) überschaubar – die starke Verankerung der Marke im angelsächsischen Raum legitimiert den Aufwand aber allemal. Social Media in Vorarlberg – Wolfort ist hierzulande eine der ersten Adressen, wenn es darum geht, von den Besten zu lernen.

Keine Frage. Wolford hat ein prädestiniertes Produkt als Grundlage für einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt. Unterwäsche und Strümpfe sind sexy – und haben damit per se Zugkraft. Aber auch weitere Beispiele im B2C-Bereich sind schnell gefunden. Etwa Vorarlbergs Brauereien. Ein Durchschnitts-Österreicher nimmt jährlich rund 108 Liter des beliebten Gerstensafts zu sich. Was die regionalen Brauereien zu sagen haben, ist damit schon dem Eigeninteresse geschuldet. Ohne Content läuft aber auch hier nichts – und das haben Fohrenburger, Mohrenbräu und Frastanzer früh erkannt. Und gezielt darauf reagiert.

Nicht nur “sexy” zieht

Und doch ist ein erfolgreicher Social-Media-Auftritt nicht zwingend produktabhängig, wie die Raiffeisenbank im Rheintal beweist. Ein Sparbuch ist vernünftig, solide – aber als Produkt überhaupt nicht sexy. Und doch versteht es die Genossenschaftsbank, die spröde Materie Finanzen mit einem breiten Themenspektrum zu bereichern: Gewinnspiele, Sponsoring, Raiffeisen-Inside – in den seltensten Fällen wird genuinen Bank-Themen Platz eingeräumt. Das hat der Raiffeisen im Rheintal bis dato knapp mehr als 1000 Fans beschert, die Raiffeisen Vorarlberg Club-Seite auf Facebook zählt bereits mehr als 9000 Fans. Unterstützt werden die Social-Media-Aktivitäten mit einem eigenen Blog, einem Twitter-Account und einem YouTube-Channel. Der Zugang: Kundenbindung. Und das eben nicht nur über ganz spezifische Bank-Themen.

Und im B2B-Bereich? Damit man gerade in Sachen Recruiting bei den jungen Fachkräften nicht durch die Finger schaut, setzen die großen Industriebetriebe Vorarlbergs – beispielsweise Blum und Meusburger – auf Engagement im Lehrlingswesen. Und das möglichst authentisch: Content liefert nicht die Marketing-Abteilung, sondern kommt von den Lehrlingen und deren Ausbildern. Sie wissen, was interessiert: Nur die Auszubildenden können den Fachkräften von morgen den Blick hinter die Kulissen der Lehrlingsausbildung ermöglichen. Eine Maßnahme von vielen, um sich im immer härteren Wettbewerb um junge Fachkräfte zu positionieren.

Social Media in Vorarlberg: Wichtige Überzeugungsarbeit notwendig

Positive Beispiele gibt es in Vorarlberg genügend, nur ein Bruchteil kann hier Erwähnung finden. Auch im Medienbereich, bis dato eher selten im öffentlichen Sektor. Wieso scheuen sich viele Unternehmen trotz der Best-Practice-Beispiele auf Social Media in Vorarlberg aktiv zu werden? Eine Erklärung: Der Generation-Gap. Auch wenn Facebook den Entscheidungsträgern in Unternehmen ein Begriff ist – die daraus resultierende Überlegung, das eigene Unternehmen aktiv darauf zu positionieren, ergibt sich nicht zwingend. Noch schwieriger wird es, wenn andere Plattformen ins Spiel kommen. Aber auch wenn die Erkenntnis reift: Die Überzeugungsarbeit, die geleistet werden muss, auch entsprechend Ressourcen dafür bereitzustellen, gelingt nicht immer. Obwohl die Frage – “was bringt uns das eigentlich?” – relativ simpel zu beantworten ist: Ein aufpoliertes Image. Zielgruppen-relevante Präsenz. Mehr Traffic für die eigene Homepage. Markterweiterung ohne geografische Grenzen. Ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden. Viel Aufmerksamkeit für – in Relation – geringe Kosten. Und das sind nur wenige Beispiele.

Was also tun? Etwas mehr Mut für Neues aufbringen. Die Scheuklappen ablegen. Beobachten. Unüberlegte Schnellschüsse möglichst vermeiden. Strategisch vorgehen. Und sich dabei ständig vor Augen führen: Die digitale (R)Evolution nimmt ihren Lauf. Mit uns. Oder ohne uns.

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