Gastbeitrag: VOL.AT im Zeitalter von Social Media – was hat sich verändert, was wird sich verändern

25. Juni 2013
gschtochabock

Eines vorne weg: Social Media ist nicht „nur“ Facebook, wenngleich die Zuckerberg’sche Plattform mit mehr als 1,1 Milliarden Usern die größte der Welt ist. So zumindest sind die letzten bekannten Daten. Mittlerweile hat Facebook die automatische Erfassung von Nutzerzahlen jedoch unterbunden.

Der Hype um Facebook & Co. hat auch die Medienlandschaft nachhaltig verändert. Vor allem die Newsportale sind davon betroffen. Jammern wäre allerdings der falsche Ansatz. Viel mehr heißt es: was können wir von Social Media-Plattformen wie Facebook, YouTube, LinkedIn, Google+ oder anderen lernen und wie kann man diese Erkenntnisse als Publisher für sich nutzen? Grundsätzlich gibt es hier eine sogenannte „Frenemy“-Beziehung (Friend+Enemy). Auf der einen Seite helfen Soziale Netzwerke um Content zu generieren und zu verbreiten. Auf der anderen Seite setzen wir uns an den Swimming-Pool eines anderen und animieren dort praktisch „gratis“ die UserInnen, in der Hoffnung, dass sie auch mal an unserem Pool vorbeischauen.

Vor ein paar Jahren hätte wohl noch niemand gedacht, dass Menschen auf Sozialen Netzwerken ihr ganze Leben ausbreiten und so mitteilungsbedürftig sind. Was zum Anfang ein „Geek“-Thema war hat sich schnell zum Massenphänomen entwickelt. Auf einmal gibt es von Oma und Opa eine Freundschaftsanfrage, die man fast akzeptieren muss. Auch die wollen wissen, was dort abgeht. Und Kinder erhalten schon kurz nach der Geburt einen eigenen Facebook-Account – ohne gefragt zu werden. Das ist schon fast wie bei der Taufe.

Doch was können wir von Social Media-Plattformen lernen bzw. wie haben diese unseren Workflow verändert? In der Vergangenheit hatten Newsportale eine sehr printlastigen Anstrich. Im Prinzip hätte man diverse Online-Seiten auch locker in eine Printausgabe transferieren können. Für die LeserInnen hätte es keinen großen Unterschied gemacht. Dies hat sich sicher auch durch Social Media verändert. Die Größe der Bilder, die Darstellungsformen, Einbindung von Videos und anderes lehnen sich immer mehr an bekannte Social Media-Modelle an.

Social Media Plattformen wie Facebook & Co. haben uns auch vorgemacht wie man userfreundlicher werden kann. Der Upload von Bildern, automatisches Geo-Tagging und der Kurz-Text („Status“) dient mittlerweile auch bei uns als Vorbild für die Leserreporter-App. Früher hat man noch in „Schubladen“ und „Drop down“-Menüs gedacht, das hat sich absolut verändert. Auch aus dem Hintergrund heraus, dass Social Media vor allem auch ein „Mobile-Thema“ ist. Das Smartphone ist immer griffbereit, Social Media-Plattformen nutzen deren Assets perfekt.

Ständig zu wissen, was die Freunde machen oder diese über die eigenen Aktivitäten zu informieren, gehört für viele UserInnen schon zum Alltag. Vor dem Zähneputzen wird zuerst der Status gecheckt, da muss die Körperpflege warten. Die Konsequenz: Gratis-Content für Soziale Netzwerke und dieser zum Teil auch live. Bilder, Videos und Text-Messages von Inhalten, die auch für Newsportale relevant wären, wird gratis zur Verfügung gestellt. Natürlich sind diese im Großteil der Fälle nicht verifiziert oder kuratiert. Das wiederum ist eine Chance für Newsportale Themen und Content aufzugreifen um diesen dann journalistisch zu verarbeiten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass Soziale Netzwerke unserer User besser kennen als wir. Durch den User-Striptease erhalten diese Informationen, die bares Geld wert sind. Wenn man davon ausgeht, dass so ein Datensatz im Schnitt 25 Dollar und mehr kostet, kann man einfach errechnen auf was für einem Goldschatz zum Beispiel Mark Zuckerberg sitzt.

In Sachen der Informationsgenerierung ist zum Beispiel aber auch Twitter sehr interessant. In unseren Breitengrad ist der Kurznachrichten-Dienst zwar noch nicht so verbreitet, aber im angelsächsischen Raum dafür umso mehr. Aber auch bei uns ist die Tendenz steigend. Twitter ist sehr „noisy“. Das schreckt viele ab. Doch wenn ich zum Beispiel an den Amoklauf von Breivik in Norwegen denke, so war es uns durch Twitter möglich als eine der ersten vom Massaker auf der Insel Utoya zu berichten. Das stellt auch Agenturen vor neue Herausforderungen, denn Twitter ist schneller als es jede Agentur sein kann.

Im Sog von Sozialen Netzwerken sind Start-ups entstanden, die interessante Tools anbieten. Storify zum Beispiel: Das ist eine Kuratierungsplattform, die auf Facebook, Twitter, Google, Tumblr und viele andere zugreift. So kann man ganz einfach auf Dialoge und Meldungen im Netz reagieren, diese per „Drag and drop“ einfügen und auf einer Artikelseite einbetten. So hat man als Newsportal auch die Möglichkeit Konversationen auf Sozialen Netzwerken darzustellen ohne die LeserInnen wegschicken zu müssen.

Abschließend ist zu sagen: „Social Media“ bietet große Chancen und darf man nicht ausblenden. Das wäre fatal. Aus diesem Grund muss praktisch auch auf allen großen Plattformen vertreten sein, Claims abstecken, Brand-Building betreiben und Image-Werbung machen um die Interaktivität zu erhöhen. Einfach nur ein paar Sharing-Widgets auf Artikeln anzubieten, ist zu wenig. Es braucht auch den Content dazu, der gerne geteilt wird. Das ist unter Umständen eine Herausforderung für die Redaktion. Die Redakteure müssen erkennen und lernen, was Sinn macht auf Social Media-Plattformen anzupreisen und vor allem: Wie preise ich den Content an? Hierzu gibt es verschiedene Strategien, die sich aber auch ständig verändern. Eine Regel ist aber besonders wichtig: „Be social, not formal!“

Rohit Bargava von der Georgetown University hat folgende Regeln zu SMO (Social Media Optimization) aufgestellt, die es auf den Punkt bringen, wenn man sie umsetzen kann.

1. Create shareable content
2. Make sharing easy
3. Reward engagement
4. Proactively share content
5. Encourage the mashup


marc_neuÜber den Gastautor.

Marc Springer (36) ist seit mehr als drei Jahren Chefredakteur von Vorarlberg Online (VOL.AT). In dieser Zeit stieg das Online-Portal laut ÖWA unter die Top 5 der österreichischen Einzelangebote auf – noch vor kleinezeitung.at oder diepresse.com. VOL.AT zählt durchschnittlich rund 360.000 Unique User pro Monat. Mit knapp 38.000 Followern wird zudem die größte Facebook-Seite Vorarlbergs betrieben.
www.vol.at
www.facebook.com/VorarlbergOnline

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